Authentischer Blues im Stadthaus

Biber Herrmann und Anja Sachs berührten die Seelen ihrer Zuhörer

Auch wenn die Metapher als Witz überstrapaziert ist: den Blues kann man nur bedingt lernen, den Blues muss man fühlen und leben. Biber Herrmann ist so einer, der auf der Bühne nichts vorspielt, sondern seine Musik lebt. Auf die Frage, woher er die Berechtigung nimmt, als weißer die Musik schwarzer Sklaven zu spielen, hat er seine Antwort gefunden: "Ich habe in meiner Heimat, dem Rheingau, im Assmannshäuser Höllenberg Unkraut zwischen Weinreben gejätet. Geschlagen hat man uns nicht, aber die Bezahlung war ähnlich."

Mit Witz und Charme verarbeitet er die Geschichten des Lebens in seinen Liedern und bleibt auch hier authentisch, etwa, wenn er in "Sweet Nun" die Liebe zu einer großen Nonne im Klosterladen gesteht, die Geschichte eines verängstigten Mädchens erzählt, dessen Eltern damit nicht umgehen können oder wenn er daran appelliert, der oft versteckten eigene Weisheit zu trauen und in Veränderungen im Leben das Gute zu suchen.

Seiner Gitarre entlockt er den Klang einer kompletten Band mit Schlagzeug, Bass, Rhythmusgitarre und Sologitarre. Dazu spielt der Ausnahmekünstler Mundharmonika und singt. Mal zupft er die Saiten ganz leise, mal beeindruckt die Virtuosität, mal produziert er Geräusche mit seinem Instrument und mal glaubt man den Klang eines vollen Orchesters zu hören. Eines aber ist seine Musik immer: intensiv und voller Leidenschaft. Mit seiner tiefen Stimme trifft er direkt in die Herzen seiner Zuhörer. Davon unberührt zu bleiben, ist kaum möglich. Das gilt auch für die Stimme von Anja Sachs, die in einigen Songs eine zweite Stimme sang und vor allem mit einem unbegleitetem Lied das Publikum verzauberte.

Stilsicher bewegt sich Herrmann sich zwischen Blues, Folk, und der Musik der Singer/Songwriter. Er wechselt die Gitarren, variiert sein Spiel und seinen Gesang facettenreich.

Zum Wiederholten Male musste das Forum Selters den Raum wegen Überfüllung schließen. Es gab in den letzten Jahren viele erfolgreiche Veranstaltungen mit hochkarätigen Musikern. Mit einer neuen Bühnenbeleuchtung, einem so beeindruckenden Blueskonzert und dem Ausblick auf kommende Kulturveranstaltungen ist das Forum Selters längst zur ernstzunehmenden Kleinkunstbühne im Westerwald geworden. "Ich musste mich zwischendurch zwicken", sagte Stadtbürgermeister Rolf Jung, "und daran erinnern, dass diese bedeutende Musik auf einer Bühne hier in unserer kleinen Stadt erklingt". Und so bedankte sich auch der Künstler, Biber Herrmann, beim Forum Selters und den Gästen: "Diese Kunst lebt ausschließlich davon, dass es Menschen gibt, die sie veranstalten und Menschen, die zu den Veranstaltungen kommen".

Fotos: Eckhard Schneider

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