Glatte Betonsteine ersetzen "Holperpflaster" aus Granit

Stadt Selters beginnt damit, das umstrittene Natursteinpflaster auf Gehwegen zu ersetzen.


Auf der Grenze zwischen neu und alt: (von links) Stadtbürgermeister Rolf Jung, Geschäftsführer Ralph Schäfer, Bauleiter Jens Martin und Bezirksstellenleiter Netz-EWH Thomas Tönges.

Der Betreiber des Stromnetzes, die Elektrizitätswerk Hammermühle Versorgungs GmbH (EWH), verlegt derzeit viele Freileitungen in die Erde. Normalerweise müsste der Stromversorger die aufgerissenen Gehwege danach wieder in den vorherigen Zustand zurücksetzen. Die Stadt Selters hat aber entschieden, ein neues, glatteres Pflaster verlegen zu lassen.

Immer wieder gab es Beschwerden über die schlechte Begehbarkeit des unebenen Natursteinpflasters in der gesamten Innenstadt. "Mit Sommerschuhen lässt sich darauf unsäglich schlecht gehen", sagt Stadtbürgermeister Rolf Jung, "und für Kinderwagen, Rollstuhl, Rollator oder Dreirad ist das Natursteinpflaster ein echtes Hindernis".

Synergien nutzen: Stadt und EWH arbeiten eng zusammen. Stadtbürgermeister Rolf Jung und Bezirksstellenleiter Netz-EWH Thomas Tönges.

Rund 120 Meter eines Gehweges in der Rheinstraße, dort, wo Erdkabel verlegt wurden, sind nun neu gepflastert. Schon wenige Tage später wird Rolf Jung von mehreren Passanten aufgefordert, auch weitere Abschnitte zu ersetzen. Dies hatte die Stadt auch schon länger vor. Es gibt einen Plan, wonach alle Gehwege im Ortskern umgerüstet werden sollen. Die Frage ist nur, in welchen Bauabschnitten dies geschehen wird.

Die Mehrkosten für das neue Pflaster belaufen sich auf rund 25.000 Euro. Sie werden von der Stadt getragen. Zusätzlich wurden Querungshilfen für Sehbehinderte eingebaut.

Möglich war diese Maßnahme, weil die Stadt Selters und der Netzbetreiber eng miteinander kommuniziert und Bauvorhaben aufeinander abstimmt hatten. Mit im Boot sind dabei auch die Stadtwerke Gießen als Muttergesellschaft der EWH. "Wir mussten auf die Entscheidung der Stadt etwas warten, aber dafür ist die gemeinsame Lösung jetzt für alle sinnvoll", sagt Bauleiter Jens Martin von den Stadtwerken Gießen. Die gute Zusammenarbeit in dem langen Prozess von Stadt, Netzbetreiber und ausführendem Unternehmen hoben alle Beteiligenden hervor.

Thomas Tönges, Geschäftsführer EWH erklärte, dass die Verlegung der Leitungen in den Boden zwar teurer, aber wartungsärmer sei. Außerdem könne man Kabel mit größeren Querschnitten verlegen und das Netz dadurch leistungsfähiger machen. Im Rahmen der Umbauten wurden über 40 Haushalte an die Bodenverlegung angeschlossen und eine Trafostation erneuert.

Verlegt wurde ein Stein aus einem regionalen Betonwerk. Ralph Schäfer, Geschäftsführer von Schäfer & Schäfer Straßenbau, der ausführenden Firma, erklärte, dass sich bildende Risse in den Fugen durch eindringendes Wasser wieder selbst schließen und so ein wartungsarmer Belag geschaffen wurde.

Und was geschieht mit den alten Pflastersteinen? "Die Steine liegen auf Halde. Hier dürfen sich Selterser Bürger ihren Bedarf für das eigene Grundstück decken", erklärt Stadtbürgermeister Rolf, der dazu genaue Modalitäten noch bekannt geben will.

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