Neues Dach schützt Kirche und städtische Seitenflügel
Gute Zusammenarbeit bei anspruchsvoller Sanierung in Selters
 von links: Bauleiter Johannes Müller, Stadtbürgermeister Rolf Jung und Beigeordneter Volker Hummerich.
Mit einer neuen Schiefereindeckung ist das gemeinsame Dach der Evangelischen Kirche in Selters und ihrer kommunalen Seitenflügel umfassend erneuert worden. Auf rund 700 Quadratmetern wurde die alte Dacheindeckung aus Kunstschiefer abschnittsweise entfernt und durch hochwertigen Naturschiefer aus Spanien ersetzt.
Von den alten Faserzementplatten gingen Gesundheitsgefahren aus, daher arbeiteten die Handwerker unter besonderen Schutzvorkehrungen und endsorgten das Material als Sondermüll. Weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht, kam für die Erneuerung ausschließlich Naturschiefer infrage. Verlegt wurde dieser von Firma Theo Fetz aus Welschneudorf in der sogenannten „altdeutschen Deckart“, die durch unterschiedlich große Platten ein besonders lebendiges und traditionelles Erscheinungsbild erzeugt.
Eine Dachfläche von 700 Quadratmeter wurde neu eingedeckt.
Schäden machten Sanierung notwendig
Notwendig war die Sanierung, weil eindringendes Regenwasser in allen Dachbereichen Schäden an der Holzkonstruktion verursacht hatte. Zwar wurde in den vergangenen Jahren immer wieder repariert, doch das reichte jetzt nicht mehr aus. Der Kirchturm wurde nicht saniert, denn dies geschah erst vor 12 Jahren nach einem Blitzeinschlag.
Schäden am Holz, hier am Traufpunkt des Dachstuhls.
Besonderes Gebäude mit gemeinsamer Nutzung
Das Gebäude ist in seiner Form einzigartig: Der mittlere Teil wird von der Evangelischen Kirchengemeinde als Kirche genutzt, während die Seitenflügel der Stadt Selters gehören. Der typische klassizistische Bau entstand vor 185 Jahren als gemeinsames Projekt von Orts- und Kirchengemeinde – damals als Kombination aus Schule und Kirche unter einem Dach. Bis heute erfordert jede größere Baumaßnahme eine enge Abstimmung zwischen beiden Trägern.
„Es war eine Herausforderung, die vielen Beteiligten zu koordinieren. Am guten Ergebnis sieht man aber, dass alle zielgerichtet zusammengearbeitet haben“, erklärte Architekt und Bauleiter Johannes Müller vom Architekturbüro Heinrich. Heute nutzt die Stadt die Seitenflügel vielseitig: für Kurse, Gruppenangebote und als Ausweichräume für Sitzungen. Außerdem ist dort das Büro der Jugendpflege der Verbandsgemeinde Selters untergebracht.
Behutsame Arbeiten am Denkmal
Vor Beginn der Bauarbeiten prüften Fachleute die Statik, die Holzsubstanz und ob Fledermäuse oder andere Arten durch die Renovierung gefährdet werden könnten. Zimmerleute der Firma Gößel aus Aarbergen ersetzten beschädigte Teile des Dachstuhls, die meist individuell vor Ort an die historische Bausubstanz angepasst werden mussten. Einige Schäden, vor allem im Bereich der Traufen, wurden erst im Laufe der Arbeiten sichtbar, nachdem Schutt und alte Baumaterialien dort entfernt worden waren.
„Wir wollten so viel originale Denkmal-Substanz wie möglich erhalten und nur das Notwendige erneuern“, betonte Johannes Müller. Dieses behutsame Vorgehen habe eine besonders intensive Bauleitung erfordert, ergänzte Volker Hummerich, Beigeordneter der Stadt. Hummerich lobte die Zusammenarbeit aller Akteure: „Die Kompetenz der Bauleitung hat uns von Anfang an Sicherheit gegeben.“ Das Architekturbüro Heinrich blickt auf 30 Jahre Erfahrung mit vielen Kirchenbauten zurück. Auch Stadtbürgermeister Rolf Jung hob die pragmatische Abstimmung hervor: „Hier wurde mit viel Vernunft und im Sinne aller Beteiligten gehandelt.“
Hier wurden am Fußpunkt einer Kehle Teile eines Balkens erneuert. „Wir wollten so viel originale Denkmal-Substanz wie möglich erhalten und nur das Notwendige erneuern“, betonte Architekt Johannes Müller
Kosten und Bauzeit im Plan
Die veranschlagten Gesamtkosten von rund 820.000 Euro wurden eingehalten. Auch die Bauzeit von etwa acht Monaten blieb, trotz winterlicher Bedingungen, im üblichen Rahmen. Stadt und Kirchengemeinde tragen die Kosten entsprechend ihrer Dachanteile. Der etwas größere städtische Anteil wird mit einem Drittel vom Bund und einem Drittel vom Land Rheinland-Pfalz aus Städtebaufördermitteln mitfinanziert. Pfarrerin Swenja Müller von der Evangelischen Christusgemeinde Sayn-Wied Westerwald dankte für die zahlreichen Spenden: „Sie helfen uns wirklich sehr bei der Finanzierung“.
Das Gebäude war rund 8 Monate eingerüstet.
Innenrenovierung als nächster Schritt
Für die Kirchengemeinde ist die Bauzeit damit noch nicht beendet: Weil die letzte grundlegende Sanierung schon rund 60 Jahre zurückliegt, nimmt die nun anlaufende Planung umfangreiche Arbeiten in den Blick.
Fotos: Eckhard Schneider, Johannes Müller, Carsten Steindorf
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