Letzte Ruhe unter einem Baum finden

Naturnahe Urnenbestattung auf dem Friedhof in Selters findet Zuspruch


Auf dem Gelände des Friedhofes in Selters wurde ein Ruhewald angelegt.

Die naturnahe Urnenbestattung auf dem Friedhof in Selters wird zunehmend nachgefragt. Seit 16 Monaten werden Urnen im Wurzelbereich eigens dafür gepflanzter Bäume beigesetzt. Inzwischen entscheidet sich rund ein Viertel der Angehörigen für diese Bestattungsform – deutlich häufiger als für eine klassische Sargbestattung.

Damit folgt Selters einem bundesweiten Trend. Die Bestattungskultur verändert sich. Während die traditionelle Sargbestattung an Bedeutung verliert, wächst der Wunsch nach pflegefreien und naturnahen Ruhestätten.

Diese Entwicklung hatte die SPD-Fraktion im Selterser Stadtrat bereits 2022 im Blick. Mit einem Antrag setzte sie sich für eine naturnahe Bestattungsmöglichkeit auf dem örtlichen Friedhof ein. Ein Ruheforst außerhalb des Friedhofs ließ sich in Selters nicht verwirklichen. Die Lösung auf dem Friedhof greift einen wichtigen Gedanken auf: Menschen sollen unabhängig von Religion, Nationalität oder Weltanschauung einen würdigen letzten Ruheplatz finden können.

Da die Stämme der gepflanzten Bäume noch zu schmal sind, um Namensschilder daran anzubringen, wurden ergänzend Granitstelen aufgestellt. Kleine Schilder erinnern dort an die Verstorbenen. Sie tragen ausschließlich deren Namen und Lebensdaten. An jedem Baum können sechs bis acht Urnen beigesetzt werden. Die Fläche des kleinen Ruhewaldes auf dem Friedhof lässt sich bei Bedarf erweitern.

Zur Info

Nach Angaben der Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen lag der Anteil klassischer Sargbestattungen in Deutschland bereits 2024 bei weniger als 20 Prozent. Eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas ergab 2025 zudem, dass sich nur noch ein Viertel der Befragten ein klassisches Urnen- oder Sarggrab wünscht.