Bedrückende Musik meisterlich aufgeführt

Björn Adam und András Orban begeistern in Selters mit Schuberts "Winterreise"


Björn Adam und András Orbán präsentierten Schuberts Musik mit großer Intensität.

Wahrlich keine leichte Kost boten der Bariton Björn Adam und der Pianist András Orbán im vollbesetzten Stadthaus an. Der intensive und einfühlsame Vortrag von Schuberts "Winterreise" nahm die Besucher in den Bann und bescherte ein ganz besonderes Musikerlebnis.

Man könnte sagen, Schuberts Liedersammlung sei ziemlich frustrierend, komme ganz ohne romantisches Happy End daher und habe das Potential, die Stimmung zu vermiesen. Angekündigt als eine Wanderung durch 24 Seelenzustände bewegt man sich zwischen Schmerz, Einsamkeit und Orientierungslosigkeit. Selbst Schuberts Zeitgenossen waren schockiert von den schauerlichen Dichtungen Wilhelm Müllers, die Schubert gegen Ende seines kurzen Lebens vertonte. Der Dichter betrauert, dass er keine Post von der Liebsten bekommt, er träumt von Blumen im Mai, wird wach und spürt nur Kälte, träumt von der Liebe und erwacht in Einsamkeit. Gerade diese von Schubert gekonnt und zum Teil lautmalerisch komponierten Stimmungswechsel bringen die beiden Musiker in Selters meisterlich zu Gehör.

Björn Adams klare Stimme erklingt drucklos in den Höhen, klar und gefühlvoll in der Tiefe und das sowohl in leisen Stellen bei "Gute Nacht" wie in sehr intensiven Partien. Sein großes Melodieverständnis bewies Björn Adam auch bei jenen Melodien, die über große Intervallsprünge schwer zu gestalten sind, wie bei "Die Wetterfahne". Der im In- und Ausland freischaffende Solist begeisterte auch mit seiner natürlichen und klaren Bühnenpräsenz. Die einfühlsame Klavierbegleitung unterstützte den Gesang, machte jede Seelenlage greifbar und trat an geeigneten Stellen in den Vordergrund. Dabei gelang András Orbán der Wechsel zwischen choralartiger Begleitung und dramatisch virtuoser Spielweise, wie in "Der Lindenbaum", besser bekannt als das Lied: "Am Brunnen vor dem Tore".

Die hohe Konzentration der Musiker übertrug sich auf das Publikum, das mit großer Aufmerksamkeit dem Vortrag folgte und sichtbar gerührt war von der intensiven Musik. Und beide, Interpreten und Publikum meisterten diese Aufgabe im Stadthaus mit Bravour. Mit dieser Stadthausmatinée ermöglichte die Stadt Selters einen weiteren Kunstgenuss auf sehr hohem Niveau. Die nächste Matinée am 12. Mai präsentiert Musik für Cello und Harfe.

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