"Wahrzeichen"

Was macht Selters aus? Was ist besonders in Selters? Auf diese beiden Fragen versucht eine Motivserie zu antworten. Sie versteht sich weniger als Wahrzeichensammlung, denn als Beschreibung einiger erwähnenswerter Besonderheiten der kleinen Stadt im Westerwald. Vollständig ist die Serie nicht und für jeden Betrachter mögen manche Motive wichtiger sein als andere.

Viadukt – seit 1884

Eine Eisenbahnbrücke ist noch heute sichtbares Zeichen für die Anbindung der Gemeinde Selters an die Moderne. Die sogenannte „Westerwaldbahn“ brachte wirtschaftlichen Aufschwung und Mobilität. Die Eisenbahnlinie zwischen Siershahn und Altenkirchen wurde Ende der 1870er Jahre gebaut. In beiden Weltkriegen spielte die Bahnstrecke eine große Rolle. 100 Jahre lang transportierte die Bahn Personen auf der Schiene. Um 1912 fuhren im Durchschnitt täglich 176 Personen mit der Bahn. Von da an wurden es weniger: 1982 nutzen nur noch 35 Personen die Bahn. 1975 wurde der Sonntagsverkehr eingestellt, 1982 der Verkehr an schulfreien Tagen und 1984 der restliche Personenverkehr. Danach verfiel die Bahnlinie in einen Dornröschenschlaf, bis sie im Jahre 2006 wieder für den Transport von Stahl für die Firma Schütz freigegeben wurde. Seitdem fahren wieder Waggons über das Viadukt in Selters.

SCHEUGENPFLUG, T., Stadt Selters (Hrsg.), Chronik der Stadt Selters, 2005, Selters.

Ev. Kirche Selters mit Seitenflügeln

Zwei Dinge macht die Evangelische Kirche in Selters zu etwas Besonderem. Zum einen, dass das Gebäude nicht nur Kirche ist, sondern zwei Seitenflügel aufweist, die als Schule gebaut wurde und seitdem immer in kommunaler Nutzung waren. Das andere ist ihr Baustil. Eine Kirche, die so klar und eindeutig dem Klassizismus zuzuordnen ist, findet man selten. Ende 1841 gehen die ersten Kinder dort zur Schule. Die Kirche wird ein paar Monate später, im Jahre 1842, eingeweiht. Das Gebäude ersetzt eine einsturzgefährdete Kapelle und eine alte baufällige Schule. So einigen sich die Zivil- und Kirchengemeinde auf den Bau eines gemeinsamen Gebäudes in der Mitte des Ortes. Das denkmalgeschützte Gebäude wird auch 175 Jahre nach Erbauung immer noch als Evangelische Kirche genutzt. In den Seitenflügeln fanden zeitweise die Schule, das Rathaus, eine Bücherei, Probenräume und die Jugendpflege der Verbandsgemeinde Platz.

BOCK, A., Sein Wort in unserer Mitte, Die Geschichte einer Gemeinde und ihrer Kirche, Evangelische Kirchengemeinde Selters (Hrsg.), Selters, 1992.

www.ev-kirche-selters.de

Größter Jüdischer Friedhof im Westerwald

Mit 143 Gräbern ist der Jüdische Friedhof in Selters mit Abstand der größte von elf jüdischen Friedhöfen im Westerwald. Er besteht seit spätestens 1849 und zeugt von einem regen jüdischen Leben in der Region. Zwischen den Jahren 1870 und 1938 wurden hier Menschen begraben aus den Orten Selters, Vielbach, Mogendorf, Quirnbach und Maxsain. Die Grabinschriften sind teilweise in hebräischer Sprache verfasst. Juden lebten schon seit über 400 Jahren in Selters. 1820 waren es 62 Juden, das entsprach fast 10 Prozent der Bevölkerung. Mit dem Aufkommen der Nationalsozialisten wurden die Juden immer mehr aus dem öffentlichen Leben verdrängt. 1933 wurde ein jüdisches Ratsmitglied aus der Gemeindevertretung entfernt, am 10. November 1938 brannte die Selterser Synagoge. Die jüdischen Bürger wurden des Nachts aus ihren Häusern und Betten gerissen und misshandelt. 36 Selterser Juden kamen 1933 in den Vernichtungslagern ums Leben. Am 3. Oktober 1939 verlässt Simon Danzig mit seiner Familie Selters, der Ort war damit „judenfrei“ und 350 Jahre jüdisches Leben in Selters waren erloschen. Eine weitere noch sichtbare Zeugin jüdischen Lebens ist die Mikwah in der Bahnhofstraße.

HAAS, R., Judenfriedhof 56242 Selters im Westerwald, Selters 2009.

SCHEUGENPFLUG, T., Stadt Selters (Hrsg.,) Chronik der Stadt Selters, 2005, Selters.

JUNGBLUTH, U., Nationalsozialistische Judenverfolgung im Westerwald, 1989, Koblenz.

JÖSCH, Joachim, JUNGBLUTH, U., u.a. (Hrsg.), Juden im Westerwald. Leben, Leiden und Gedenken. Ein Wegweiser zur Spurensuche. Montabaur, 1998.

Die Wacht – Werkstätte der Jungsteinzeit

Als Erhebung über Selters ist die „Wacht“ beliebtes Ziel für Spaziergänge und Treffpunkt für so manches Lagerfeuer. Auch sehr frühe Vorfahren waren an diesem Ort aktiv, was Funde von 30 fertigen Werkzeugen und einer Menge Feuerstein-Splitter beweisen. Sie zeugen von einer Besiedlung in der Jungsteinzeit (4000 bis 1800 v. Chr.) an der Gemarkungsgrenze zwischen Selters und Nordhofen. Pfeilspitzen und Messerklingen, Schaber, Reißer und Pfriem (Ahle) sowie die vielen Splitter lassen darauf schließen, dass diese Werkzeuge an der Fundstelle auch hergestellt wurden.

Evangelisches Krankenhaus seit 1903

Vor mehr als einhundert Jahren fanden sich in Selters beherzte Männer zusammen, die die Not kranker und hilfsbedürftiger Menschen erkannten und lindern wollten. Unter ihnen waren als Initiatoren Pfarrer Julius Ilgen aus Selters und sein Nordhofener Kollege, Pfarrer Boden. Aus der Tätigkeit einer Diakonisse entwickelte sich eine Schwesternstation und daraus ein Krankenhaus, getragen von einem Verein. 1981 fusionierte das Selterser Krankenhaus mit dem vom Johanniter-Orden geführten Krankenhaus in Dierdorf. Seit 2015 ist der Krankenhaus-Verein Selters/Dierdorf Gesellschafter der Krankenhaus gGmbH mit den beiden Häusern. Ein örtlicher Verein ist somit seit über 100 Jahren Träger des Krankenhauses. Das Krankenhaus mit seinen zwei Betriebsstätten in Selters und Dierdorf bietet eine umfangreiche und hochqualifizierte medizinische Versorgung, darunter auch eine Stroke Unit für Schlaganfallpatienten.

www.khds.de

www.der-krankenhaus-verein.de

Schütz – Innovative Technologie seit 1958

Die Firma Schütz ist prägend für das Stadtbild von Selters. 1958 von Udo Schütz gegründet, hat sich die Firma von einem Kleinunternehmen für die Herstellung von Heizöl-Lagertanks aus Stahl zu einem internationalen Konzern und zu einem der bedeutendsten Arbeitgeber im Westerwaldkreis entwickelt. Am Stammsitz in Selters und an über 45 internationalen Standorten entwickeln, produzieren und vertreiben über 4.000 Mitarbeiter industrielle Verpackungssysteme, Haustechnik-Produkte, Leichtbauwerkstoffe, Vorprodukte aus Stahl sowie Rotorblätter für Windkraftanlagen. Darüber hinaus betreibt Schütz einen eigenen Modell- und Formenbau. Als Erfinder des Intermediate Bulk Container (IBC), einem kubischen Transportbehälter für die chemische Industrie, ist Schütz bis heute weltmarktführend. Das Unternehmen konzipiert und konstruiert nahezu alle für die Produktion benötigten Werkzeuge, Maschinen und Anlagen in Eigenregie. Das Familienunternehmen gilt in seinen Geschäftsfeldern als Technologieführer und wichtiger Innovationsgeber.

www.schuetz.net

Die Motive werden im Wechsel als Schautafeln an den Ortseingängen aufgehängt. Die Grafiken erstellte Eckhard Schneider.

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Selters zeigt seine "Wahrzeichen"

Mit sechs Motivtafeln in kräftigen Farben stellt die Stadt Selters ihre Besonderheiten vor. An vier Ortseingängen finden Passanten neben den Veranstaltungsplakaten künftig auch einige "Wahrzeichen" der kleinen Stadt im Westerwald wieder.

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